„Was hast du eigentlich gegen Liebesromane?"
(Viola zu Luc in Fleur de Lavande 1)
(Viola zu Luc in Fleur de Lavande 1)
Worum geht’s?
Sommer in Südfrankreich? Klingt perfekt für Viola. Die Bestsellerautorin braucht dringend eine Auszeit. Und Abstand. Von ihrem Ex und ihrer Schwester, die einen Tag nach der Trennung miteinander ins Bett gegangen sind. Doch statt alles hinter sich zu lassen, schüttet Viola ihr Herz am Flughafen einem - vermeintlich - Fremden aus. Lucas Rausch ist Spitzensportler, Erbe des traditionellen Duftimperiums Fleur de Lavande und ... der Bruder ihrer besten Freundin. Viola will ihn um jeden Preis auf Abstand halten, doch zwischen Lavendelfeldern und verstohlenen
Fleur de Lavande – Wie du liebst ist Band 1 der gleichnamigen Reihe. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen.
Schreibstil und inhaltliche Hinweise
Das Buch ist in Ich-Perspektive von Viola und Luc geschrieben. Das Buch beinhaltet potenziell triggernde Themen aus dem Bereich sexueller Belästigung.
Meine Meinung
Als riesiger Fan der Autorin und jemand, der alle ihre bisherigen Bücher gelesen hat, ist es für mich schon selbstverständlich, dass auch jedes neue Buch einzieht. Daher habe ich mich vorher gar nicht so sehr mit Fleur de Lavande auseinandergesetzt, weil es sowieso gelesen wird. Ich liebe generell den Schreibstil der Autorin, eine gewisse poetische Art, die sich anfühlt, als würden all die wirren Gedanken, alle die aufgestauten Emotionen und alle die Zweifel einfach ungefiltert auf das Papier fallen – und so war es auch hier.
Das Buch begleitet Romance-Autorin Viola, die gerade wirklich an einem Tiefpunkt angekommen ist. Frisch getrennt und dann springt ihr Ex auch noch mit ihrer Schwester in die Kiste. Geplagt von großen Zweifeln, weil sie den nächsten Buchhit abliefern muss, soll, möchte, aber gleichzeitig ihr Kopf so leer und ihre Gedanken so laut sind, als sie die Erfolge, Verträge und das ganze Marketing ihrer Autorinnen-Freundinnen überall über Social Media mitverfolgen kann. Als gute Freundin freut sie sich natürlich für deren Erfolge, aber sie selbst fühlt sich abgehängt und in Sorge, dass ihre Agentur, ihr Verlag, ihre Fans sich von ihr abwenden. Kurzerhand fliegt sie also in die Provence, zu ihrer Freundin Jules. Blöd nur, dass auch Jules‘ Bruder Luc da ist. Luc, der vor Jahren etwas Fieses über Viola gesagt hatte, was nie für ihre Ohren bestimmt war, aber sie sehr verletzt hat. Genau der Luc, der als erfolgreicher Sportler gerade selbst sein Päckchen rumträgt und den Viola eigentlich hasst, aber der irgendwie auch eine Wirkung auf sie hat. Und während beide nun mehr oder weniger freiwillig gleichzeitig in der Provence sind, entwickeln sich zarte Gefühle.
Ich sage es direkt vorab: Wer eine starke Liebesgeschichte sucht, wird hier eventuell eher enttäuscht werden. Violas Abneigung gegen Luc ist von Anfang an spürbar und der Punkt, wo sich beide irgendwie näher kommen und anfangen, miteinander zu reden, füreinander dazusein und sich dann mittelfristig auch füreinander zu interessieren, was für mich nicht so ganz greifbar. Auch die körperliche Anziehung der beiden fand ich eher nicht so mitreißend. Entsprechend wenig abgeholt hat mich dann auch das klassische Third Act Drama, was möglicherweise durch etwas reden hätte verhindert oder zumindest abgemildert werden können. Von der Lovestory jedenfalls lebte das Buch für mich nicht und ich bin froh, dass das Buch mit wenig Spice auskommt, weil es für mich nicht so gepasst hätte.
Dafür haben aber sowohl Viola als auch Luc ihre eigenen Geschichten, wenngleich Violas deutlich mehr im Fokus steht und viel umfassender beleuchtet wird. Ich kann mir vorstellen, dass auch einige autobiografische Elemente in Violas Gedankenchaos, ihre Selbstzweifel als Autorin und die Thematik um Social Media, den Druck hieraus, aber auch die Anfeindungen hierdurch, in die Geschichte geflossen sind. Viola teilt sehr viele ihrer Gedanken und das ist stets eine Stärke der Autorin, dass man vieles davon fühlen und das meiste nachvollziehen kann. Ich mag das an den Büchern immer sehr und ich fand die Darstellungen vom Autorinnen-Dasein auch wirklich interessant und gut gelungen. Luc hingegen ist einen Großteil der Geschichte einfach nur „da“. Er ist Handballer, aber das wird kaum angesprochen. Er ist Erbe einer Parfüm-Dynastie, aber das interessiert ihn nicht wirklich und wird kaum angesprochen. Luc geht neben Viola über weite Teile der Geschichte ein wenig unter. Dafür ist aber sein Päckchen eines, was wenig bis gar nicht in Büchern und vor allem auch in der Gesellschaft angesprochen wird und wenn er dann Raum bekommen hat, fand ich seine Gedanken sehr greifbar und war der Autorin sehr dankbar dafür, wie innerlich zerrissen sie Luc gemacht hat, aber wie deutlicher dafür die Reaktionen seines Umfeldes auf das Thema war.
Insgesamt war das Buch ein schöner Read mit einer netten Kulisse, jeder Menge Gedankenchaos und vielen Zweifeln. Das Buch behandelt wichtige Themen, ich fand die Freundschaft von Viola und Jules toll und auch, wie sich sowohl Lucs als auch Violas Sorgen entwickelt haben, gut gelungen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzungen und hoffe, dass dort die Lovestories etwas stärker werden.
Mein Fazit
Fleur de Lavande – Wie du liebst war ein toller, behutsam erzählter Auftakt, bei dem die Autorin mal wieder zeigt, warum sie als Stimme der jungen Frauen gefeiert wird. Mit Feingefühl wurde Lucs Geschichte eingebaut, mit vielen Gedanken Violas Sorgen dargestellt. Leider hat mich die Lovestory aber nicht so ganz abholen können.
Bewertung: ★★★★☆
[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]
