„Ich bin nicht mehr zu retten. Auch nicht von Sam. Schon gar nicht von Sam, der nie wieder da sein wird, wo ich bin.“
(Blair in Memories so golden like us)
Worum geht’s?
Blair hat alles verloren. Die Anerkennung ihrer Eltern. Ihren Ruf als erstzunehmende Künstlerin. Und ihren Bruder. Seit einem Jahr torkelt sie von Party zu Party, um sich mit Alkohol und fremden Männern zu betäuben. Dass sie dabei eine Spur von Skandalen hinterlässt, berührt sie nichts im Geringsten. Bis ihre Eltern ihr den Geldhahn zudrehen. Sie ist dazu gezwungen, die nächsten Monate an der britischen Küste zu verbringen, um dort im Familienstrandhaus an einer neuen Bildreihe zu arbeiten. Mit wem sie allerdings nicht im stürmischen St Ives gerechnet hat? Mit Connor Rutherford, dem besten Freund ihres verstorbenen Bruders. Connor, der seit Jahren in einer Beziehung mit ihrer früheren Freundin Elle Hastings ist. Connor, den sie nicht ausstehen kann, weil er ihr schon damals das Herz gebrochen hat, ohne sie ein einziges Mal berührt zu haben …
Memories so golden like us ist Band 2 der Blue Eternity-Dilogie. Die Geschichte ist in sich geschlossen, sie beinhaltet Spoiler zu Band 1.
Schreibstil und inhaltliche Hinweise
Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Blair und vereinzelt Connor geschrieben. Das Buch beinhaltet sexuellen Content. Das Buch beinhaltet potenziell triggernde Themen aus dem Bereich Verlust und Trauerbewältigung.
Meine Meinung
Gabriella Santos de Lima zählt zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Niemand hat diesen unvergleichlichen Stil aus schmerzhafter Poetik und mitreißenden Emotionen, wundervoll real und ungefiltert, so als würden Gedanken einfach so aus dem Kopf aufs Papier fallen. Doch mit dieser Dilogie war es erstmalig so, dass mich Gabi irgendwie nicht so abholen konnte. Bereits bei Moments so blue like our love war ich überrascht, dass mich die gefühlvolle Seite irgendwie nicht abholen konnte. Und irgendwie wollte das bei Memories so golden like us auch nicht klappen.
Das Buch spielt einige Zeit nach Band 1. Blair ist stark gezeichnet von ihrem Verlust und flieht in eine Welt aus Party, gedankenlosen Sex und noch mehr Party. Die Presse berichtet regelmäßig über die Fehltritte der einstigen Socialite, in den Onlinemedien und Social Media überschlagen sich fiese und hässliche Kommentare über Blairs Gewichtszunahme, Blairs ständige Feiern und ihrem gefühlten Abstieg. Alle scheinen zu vergessen, dass Blair wahnsinnig doll leidet. Die Anfeindungen machen Blair zu schaffen, im Buch wird immer wieder das Onlinemobbing, das Bodyshaming und auch Slutshaming erwähnt. Das alles hat mich schon sehr betroffen gemacht. Blairs Eltern entscheiden sich, dass sie für einige Zeit ins Ferienhaus der Familie soll, um sich wieder auf sich zu konzentrieren und hoffentlich zu ihrer Kunst zurückzufinden, weil sie ihr Partyleben nicht mehr tragen und finanzieren wollen. Denn Blair war vorher begabte Künstlerin mit riesigen Ausstellungen – und jetzt ist ihre Welt nur noch grau und sie malt nicht mehr. Was Blair nicht weiß? Im Ferienhaus wartet Connor auf sie, der beste Freund ihres verstorbenen Bruders Sam und ihre erste große Liebe. Connor ist aber eigentlich mit einer anderen Frau zusammen und für Blair sowieso tabu…
Irgendwie fehlte mir der rote Faden des Buches. Und das ist total komisch, so etwas zu sagen, weil Gabis Bücher oft keinen haben und eher go with the flow sind. Aber hier war irgendwie alles zu viel und gleichzeitig zu wenig. Blair trauert wahnsinnig intensiv und ich fand das oft sehr emotional und wirklich schön beschrieben, auch weil Trauer nie einem bestimmten Muster folgt. Auch Blairs Versuche, wieder zur Kunst zu finden, waren schön beschrieben und sehr greifbar. Die Idee, dass Connor sie hierbei mit der Kamera für eine Doku begleitet, fand ich aber irgendwie sehr erzwungen. Dadurch entstand auch von Anfang an das Forced Proximity Thema, was mich sowieso oft nicht begeistern kann. Connor und Blair aber konnten mich auch so irgendwie nicht für sich gewinnen. Vielleicht lag es daran, weil Connor eigentlich eine Freundin hat, vielleicht weil Blair erstmal ihre Trauer verarbeiten sollte und dann aber irgendwie andauernd nur noch Rummachen mit Connor ein Thema ist. Auch geht Connor in dem Buch ein wenig unter, seine Geschichte wird nur am Rande erzählt, weswegen ich mich gefragt habe, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, sie gar nicht einzubinden, als so wenig und so oberflächlich. Aber vor allem die zweite Hälfte des Buches hat mich emotional nicht berührt und mich auch sonst nicht so gecatcht, dass ich unbedingt weiterlesen wollte und musste. Das fand ich wahnsinnig schade.
Mein Fazit
Memories so golden like us konnte mich leider emotional nur bedingt erreichen. Das Thema um die Trauer ist wirklich gut eingefangen worden, aber irgendwie hatte das Buch zu viele Themen, die dafür wenig in die Tiefe gingen. Vor allem aber konnte mich die Liebesgeschichte zwischen Connor und Blair nicht wirklich berühren.
Bewertung: ★★★☆☆
[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]
