„Du hast gesagt, Reden rettet dich, und ich habe viel zu spät angefangen zu reden. Seit du weg bist, weiß ich nicht, wer ich noch bin.“
(Tim zu Nora in Break the fall)
(Tim zu Nora in Break the fall)
Worum geht’s?
Nora ist erst Anfang zwanzig und bereits durch die Hölle gegangen. Nach dunklen Jahren hat sie den Kampf gegen die Alkoholsucht gewonnen, und kann endlich ihr Studium fortsetzen, ihr Leben wieder selbstbestimmt gestalten. Voller Hoffnung wagt sie es, sich auf ihren ehemaligen Mitschüler Tim einzulassen, der Emotionen in ihr auslöst, die sie lange Zeit unterdrückt hat. Er gibt ihr das Gefühl, genau richtig zu sein, obwohl sie weiß, dass sie als trockene Alkoholikerin immer wieder Prüfungen bestehen muss. Doch Tim ist nicht so stark, wie er vorgibt, und anders als Nora, schweigt er über das, was ihm widerfahren ist. Hin- und hergerissen zwischen Liebe und Zweifel müssen sich beide ihren Dämonen aus der Vergangenheit stellen.
Break the Fall ist ein Einzelband und in sich geschlossen.
Inhaltliche Hinweise
Das Buch wird durch Nora und Tim in der Ich-Perspektive erzählt. Es werden potenziell triggernde Inhalte aus dem Bereich Alkoholmissbrauch thematisiert.
Meine Meinung
Dass ich diese Rezension jemals schreiben werde, habe ich lange Zeit wirklich bezweifelt. Fast ein Jahr lang habe ich an Break the fall gelesen und ich wünschte, dass dies eine Übertreibung wäre, aber nein. Ich habe das Buch kurz nach Erscheinen das erste Mal angefangen und bin irgendwie nicht reingekommen, was zu mehreren Neustarts in den kommenden Monaten und nach einer längeren Pause dann zum finalen Read führte. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, weil mich das Thema um den Alkoholmissbrauch so interessiert hatte, aber leider war das Buch irgendwie nicht so meins.
Es ist ein Heartlines-Buch, was Liebesgeschichten von tollen Autorinnen mit wahren Lebens- und Leidensgeschichten verbindet. Storygeberin Laura hat ihre eigene Erfahrung mit Alkoholmissbrauch und den schweren Weg zurück aus der Alkoholsucht an die Autorin gegeben, die hieraus eine fiktive Geschichte mit wahren Elementen macht. Doch leider konnte mich Nora mit ihrer Geschichte wenig und Tim mit seiner noch weniger erreichen. Im Buch begleitet der Leser Nora, die nun nach ihrer Alkoholsucht ihr Leben wieder „in den Griff“ kriegen möchte und zurück an die Uni geht, um ihre Bachelorarbeit zu schreiben. Nora schämt sich sehr für ihre Sucht und das wird an vielen Stellen auch genutzt, um Nora mit wirklich regelrechtem Hass entgegenzutreten. Das fand ich teilweise wahnsinnig schwierig, vor allem der Umgang von Tims Freundeskreis, die Nora noch als Exfreundin von einem anderen Freund kennen und ihren „Fall“ miterlebt haben, ohne von der Sucht zu wissen, mit Gegenwarts-Nora. Es war für mich schwer vorstellbar, dass erwachsene Menschen, die teilweise studieren, so grundlos bösartig sind, aber auch, dass Nora dann wirklich noch groß Lust hat, Tim weiter kennenzulernen. Die Geschichte des Buches ist generell überschaubar. Es geht darum, dass beide sich kennenlernen, gelegentlich auf Dates gehen und irgendwie eine leichte Verbindung aufbauen, die für mich aber kaum greifbar und nachvollziehbar war. Die ganze Liebesgeschichte fährt stark mit angezogener Handbremse, was eventuell auch daran liegt, dass Nora ihre Vergangenheit wenig zum Thema macht/machen möchte und zudem Tim sein „Geheimnis“ nicht teilen möchte. Es passiert wenig im Buch, es gibt kaum Rahmenhandlung, absolut keinen Spannungsbogen und die aufkommende Liebesgeschichte dümpelt eher so vor sich hin. In einem dramatischen Finale, wo Tim zeigt, dass er ein untauglicher Partner für Nora ist, wurde mir dann ein erzwungenes Happy End reingedrückt. Ich war aber irgendwie nur froh, dass das Buch endlich vorbei ist.
Mein größter Kritikpunkt dürfte aber der Umgang mit dem Alkoholismus-Thema sein. Es wird viel erzählt zu Noras Denkweisen jetzt, vor allem ihre Angst, verurteilt zu werden. Es kommen gelegentliche Treffen der Anonymen Alkoholiker vor. Aber so wirklich auseinandergesetzt wurde sich mit dem Thema– in meinen Augen – nicht. Ich habe aus dem Buch nichts mitnehmen können, wie ich in meinem Umfeld kritische Verhaltensweisen erkennen könnte, wie ich unterstützen könnte. Es fehlte mir zu viel und vor allem das Gefühl. Der Umgang mit dem Thema ist überraschend oberflächlich und vor allem die Vorgeschichte wurde mir viel zu wenig thematisiert. Es bricht mir das Herz, aber am Ende muss ich dieses Buch bewerten. Und leider war Break the fall nicht das, was ich erwartet und erhofft habe.
Mein Fazit
Break the fall greift mit Alkoholismus ein interessantes und wichtiges Thema auf, allerdings hätte mir das Buch ohne die Liebesgeschichte und mit mehr Fokus auf Noras Entwicklung und Vorgeschichte so viel besser gefallen. So fand ich das Buch leider oft zäh und nicht so greifbar.
Bewertung: ★★★☆☆
[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]
