27.04.2026

Yasmin Shakarami - Schattenlicht

464 Seiten, erschienen als eBook und Paperback-Ausgabe im cbj-Verlag am 11.03.2026
„Es ist die Dunkelheit im Leben, vor der du dich fürchten solltest."
(Tristan zu Billie in Schattenlicht)

Worum geht’s?

Billie ist sich sicher, in Jamie – dem faszinierenden, gut aussehenden Kanadier, den sie vor knapp acht Monaten kennengelernt hat – ihre große Liebe gefunden zu haben. Um in seiner Nähe zu sein, beschließt sie, ihr letztes Schuljahr bei ihrer Tante Floh in Maple Ridge zu verbringen – einer Kleinstadt, umgeben von nebelverhangenen Bergen und düsteren Wäldern. Kaum in Kanada angekommen, trifft Billie auf den geheimnisvollen Tristan. Zunächst fürchtet sie sich vor dem Jungen, den alle bloß »Zombie Boy« nennen, doch bald schon erfährt sie, dass er seit einem schweren Schicksalsschlag nicht mehr derselbe ist. Während Billie sich langsam mit Tristan anfreundet, kommt es zu ersten Spannungen zwischen ihr und Jamie – und das Bild des perfekten Traumprinzen beginnt zu bröckeln. Und dann ist da noch das mysteriöse Verschwinden eines Mädchens, das ganz Maple Ridge in Schrecken versetzt ...

Schattenlicht ist ein Einzelband und in sich geschlossen.

Schreibstil und inhaltliche Hinweise

Das Buch ist in Ich-Perspektive von Billie geschrieben. Das Buch beinhaltet potenziell triggernde Themen aus dem Bereich toxische Beziehung.

Meine Meinung

Nachdem mich damals Tokioregen sehr begeistert hat, freue ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn ein Buch der Autorin angekündigt wird. Als ich den Klappentext von Schattenlicht las, war ich ganz gespannt auf das Buch. Doch leider konnte mich die Geschichte irgendwie nicht so richtig begeistern.

Schon der Einstieg hat mich stark verwirrt. Billie, 17 Jahre alt und geht für das letzte Schuljahr nach Kanada, um bei ihrem Verlobten Jamie zu sein. Ja, verlobt. Beide haben sich innerhalb von drei Tagen verliebt, acht Monate eine Fernbeziehung geführt und nun fliegt sie für ihn nach Kanada – ein Glück, dass genau in den Ort, wo Jamie lebt, auch Billies Tante Floh wohnt. Für einen erwachsenen Leser ist dies schon irgendwie befremdlich – und so zog sich das alles auch weiter durch die Geschichte. Billie, altersbedingt noch recht naiv, ist vor Ort happy, kommt an die Highschool, lernt Jamies Freunde kennen – und merkt irgendwie, dass sie nicht so wirklich reinpasst. Aber sie möchte unbedingt, denn Jamie ist ihre große Liebe. Die Dynamik in der Kleinstadt ist verwirrend. Jamies Vater ist der Bürgermeister, Jamie hat offenbar schon viel Mist gebaut, aber ihm wird viel nachgesehen, weil er eben der Sohn des Bürgermeisters ist. Billies Tante steht Jamie sehr kritisch gegenüber, möchte aber auch nicht so recht sagen, wieso. Und dann gibt es da noch Tristan, Zombieboy. Er hatte eine Hirnverletzung, wodurch er sich erst langsam ins Leben zurückkämpft und unter anderem Probleme damit hat, Emotionen von anderen zu lesen. Für die elitären Schüler um Jamie ein gefundenes Fressen für Mobbing, Billie hingegen versucht ihm aufgeschlossen gegenüber zu sein, eckt aber immer wieder an, weil Jamie und seine Clique nicht verstehen, wieso sie sich mit diesem „Freak“ abgibt. On top des Ganzen kommt dann noch ein Vermisstenfall, bei dem die einen Jamie als Tatverdächtigen ansehen, während andere denken, dass es Tristan war, aber offenbar niemand wirklich ermittelt – bis auf Billie, als diese immer mehr Hinweise findet, die teils übernatürlich anmuten.

Irgendwie fällt es mir total schwer, meine Gedanken zu dem Buch niederzuschreiben. Auf der einen Seite fand ich den Schreibstil toll, auf der anderen Seite fand ich die Geschichte überraschend wirr und sie lebt von vielen Klischees. Es gibt so viele Handlungsstränge: Jamies und Billies Beziehung, die sehr von Problemen geprägt ist und bei der man sich fragt, wieso niemand von den Erwachsenen eingreift. Tristan und Billie, die sich anfreunden, aber vielleicht auch mehr werden könnten, ohne dass ich wirklich wusste, wieso eigentlich, während Billie gleichzeitig sehr lange noch an Jamie festhält, obwohl sie zunehmend merkt, dass die Beziehung nicht gut ist. Und dann ist da noch das verschwundene Mädchen, nach dem niemand sucht, aber was immer wieder für Reibereien in allen möglichen Konstellationen sorgt. Ich muss leider sagen, dass ich mich oftmals in dem Durcheinander verloren geführt habe, weil viele Entscheidungen für mich nicht nachvollziehbar waren. Ich bedenke dabei auch, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, entsprechend sprunghaft und unlogisch dürfen viele Sachen sein, aber ich hätte mir dann zumindest im Kontext die Aufarbeitung durch die Erwachsenen gewünscht, um bestimmte Verhaltensweisen einzuordnen.

Nach 2/3 nimmt das Buch dann ordentlich an Fahrt auf und ab da war mir vieles einfach viel zu schnell, vor allem auch was Tristan und Billie angeht. Warum krampfhaft hieraus eine kleine Lovestory gemacht werden musste, hat sich mir nicht erschlossen. Auch die Auflösung am Ende um das Verschwinden fand ich gelinde gesagt etwas mau. Dafür ist der Autorin aber generell die Thematik um toxische Beziehungen, fragwürdige Verhaltensweisen des Partners und auch Gewalt in Beziehungen gut gelungen. Ich gehe daher mit einem zwiegespaltenen Gefühl aus dem Buch, bei dem ich mich frage, ob ich mittlerweile zu alt für Jugendbücher bin oder die Geschichte an sich einfach nicht meinen Nerv getroffen hat. Hier war mir auf jeden Fall von allem etwas zu viel und dafür von dem meisten nicht genug Tiefe.

Mein Fazit

Schattenlicht konnte mich leider nicht so sehr begeistern wie erhofft. Vieles an dem Buch hat sich befremdlich angefühlt und teilweise kam mir die Handlung wirr vor. Dafür hat die Autorin stark das Thema toxische Beziehung beleuchtet und einen guten Spannungsbogen um den Vermisstenfall gebaut, aber insgesamt war es leider nicht so mein Buch.

Bewertung: ★★★☆☆

[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]