„Wie viel Verrat konnte ein Herz ertragen, bevor es einfach aufhörte zu schlagen?“
(Gabriel über Keirra in Weil wir es uns versprochen haben)
(Gabriel über Keirra in Weil wir es uns versprochen haben)
Worum geht’s?
Kierra Hughes ist alles andere als glücklich, wie ihr Leben verlaufen ist, und sucht verzweifelt einen Ausweg für sich und ihre Tochter. Aber als sie auf einer Dinnerparty plötzlich Gabriel Sinclair wieder gegenübersteht, wird sie augenblicklich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Gabriel, ihre erste große Liebe und der Mann, mit dem sie ihre schönsten Momente teilte. Die Gefühle von damals sind sofort zurück, und sich von ihm fernzuhalten scheint unmöglich - zu groß ist Kierras Sehnsucht nach einer Zukunft, in der sie doch noch zusammenfinden könnten. Aber Gabriel hatte einen Unfall und kann sich weder an Kierra, noch an ihre gemeinsame Zeit erinnern ...
Weil wir es uns versprochen haben ist ein Einzelband und in sich geschlossen.
Schreibstil und inhaltliche Hinweise
Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Keirra und Gabriel geschrieben. Das Buch beinhaltet potenziell triggernde Thematiken aus dem Bereich häusliche Gewalt und Verlust.
Meine Meinung
Im vergangenen Jahr habe ich zunehmend die Bücher der Autorin für mich entdeckt und als ich den Klappentext von dem Buch hies las, war mir direkt klar, dass es einziehen muss. Jugendliebe, beste Freunde, durch einen Unfall getrennt – und dann begegnen sie sich eine Ewigkeit später wieder, während er unter Gedächtnisverlust leidet? Das klingt doch absolut emotional! Aber das Buch hat einen ganz anderen, nicht so schönen Fokus…
Keirra lebt in einer absolut unglücklichen Ehe, bei der psychische Demütigung und teils auch physische Verletzungen an der Tagesordnung stehen. Nach außen hin wirkt alles perfekt, aber hinter der Fassade brodelt es gewaltig. In vielen verschiedenen Szenen zeigt die Autorin die kleineren und größeren Ausraster von Ehemann Henry und zeichnet damit ein Bild, was einfach nur herzzerreißend ist. Keirra, eine wundervolle starke Frau, die in ihrem Job als Psychologin vielen Menschen hilft und tolle Ratschläge gibt, trifft für sich selbst leider nicht so gute Entscheidungen, denn sie bleibt in dieser lieblosen, betrügerischen und gewalttätigen Ehe – denn ihr Herz gehört Ava, ihrer kleinen Stieftochter, die Henry bewusst als Druckmittel einsetzt. Denn im Falle einer Trennung hat Keirra als nicht-leibliche Mutter keine Ansprüche. Und so begleitet der Leser Keirra durch die Geschichte, erlebt immer wieder die Rückschläge, die Ausraster, während man selbst wütend vor den Seiten sitzt und Keirra aus ihrem Umfeld zerren möchte. Aber die Autorin zeigt, dass alles eben nicht so einfach ist, wie man als Außenstehender immer glaubt. Die Geschichte ist an vielen Stellen belastend und ehrlich gesagt würde ich das ganze Buch auch eher als Drama mit kleinen Lichtblicken als wirkliche Liebesgeschichte einordnen, denn mit Gabriel gibt es hier zwar Hoffnung, aber seeehr lange geht es eben um Keirra und Henry, wo Gabriel vor allem als Gegenpol und vielleicht auch leichte Motivation und Unterstützer eine Nebenrolle spielt. Das ist gar nicht böse gemeint, denn Gabriel ist ein toller, sympathischer, regelrecht perfekter Charakter, die zum Beispiel auch viel für Ava tut und der Keirra immer zur Seite steht – ohne zu wissen, dass sie einst befreundet und sogar verliebt waren. Aber gleichzeitig ist es eben Keirras Weg und Keirra muss für sich allein den „Absprung“ schaffen, weswegen Gabriel eben nur als Supporting Act Teil des Buches ist. Der Grat zwischen „Gabriel als Retter“ und „Gabriel als Unterstützer“ ist hierbei wirklich schmal und ich bin froh, dass die Autorin ihn eben nicht als Löser aller Probleme etabliert hat, denn das hätte in meinen Augen Keirras eigene starke Persönlichzeit zu sehr untergraben.
Die langsam aufkeimende Liebesgeschichte von Keirra und Gabriel ist süß, keine Frage, aber ich sehe sie eben auch vor dem Hintergrund, dass Keirra eine Ewigkeit in dieser furchtbaren Ehe „gefangen“ war und deswegen hätte ich mir hier generell mehr Tiefe, mehr Aufarbeitung und mehr Reflexion gewünscht, bevor Keirra von einer Beziehung in die nächste kommt. Auch muss ich sagen, dass die Thematik um die Vergangenheit mit dem Unfall, der Schuld und dem Gedächtnisverlust für mich gar nicht so präsent vorkam, wie ich es erwartet (und erhofft) hatte. Das fand ich sehr schade, denn irgendwie wirkte es so schnell-schnell eingebaut und dann „zack, erledigt, weiter geht’s“. So fragt man sich nämlich fast, welche Daseinsberechtigung dieser Handlungsstrang überhaupt hatte, außer dass es etwas emotional war. Denn viel Dynamik oder Tiefe hat es nicht reingebracht, für Drama hat es auch nicht gesorgt. Geschadet hat es aber auch nicht, der Fokus des Buches liegt aber ganz klar in einem anderen Bereich und der ist hier recht gut gelungen.
Mein Fazit
Weil wir es uns versprochen haben ist ein behutsam geschriebenes, emotionales Buch, was allerdings mehr Drama als Romance ist. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Aufarbeitung gewünscht und manchmal verklingen Aspekte einfach so, aber insgesamt ist es ein ergreifendes Buch, was sehr intensiv die Thematik psychische und physische Gewalt in einer Beziehung beleuchtet. Die Liebesgeschichte gerät dafür aber sehr seicht und konnte mich deswegen emotional nicht so abholen.
Bewertung: ★★★★☆
[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]
