23.12.2025

Vanessa Hußmann - Pieces of me

400 Seiten, erschienen als eBook und Paperback-Ausgabe im Heartlines-Verlag am 28.05.2025
„Die Adoption ist so ein Punkt in deinem Leben, der unterschwellig immer da war und jetzt plötzlich nach Aufmerksamkeit schreit.“
(Leon zu Tara in Pieces of me)


Worum geht’s?

Tara hat alles in ihrem Leben, was sie sich wünscht. Sie ist eine aufstrebende Jurastudentin, glücklich in ihrer Beziehung und hat ein liebevolles Verhältnis zu ihren Adoptiveltern. Mit ihren kulturellen Wurzeln in Nepal wollte sie sich nie auseinandersetzen und verdrängt alles, was mit diesem Land zu tun hat. Ausgerechnet an ihrem Geburtstag erhält sie jedoch eine Nachricht, die sie wie ein Schock trifft. Ein Fremder namens Kiran meldet sich mit den Worten: „Ich bin dein Bruder.“ Mit tausend Fragen im Gepäck reist Tara nach Kathmandu. Dort lernt sie ihre verloren geglaubte Familie kennen. Und sie trifft auf Ravi, der sich immer tiefer in ihr Herz schleicht. Doch je vertrauter Tara mit ihrem Geburtsland wird, desto mehr entfremdet sie sich von ihrem alten Ich. Wohin und zu wem gehört sie wirklich?

Pieces of me ist ein Einzelband und in sich geschlossen.

Schreibstil und inhaltliche Hinweise

Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Tara geschrieben.

Meine Meinung

Pieces of Me ist ein weiteres Buch im Heartlines-Label, bei dem wahre Geschichten den Input für fiktive Erzählungen geben. In diesem Buch geht es um Tara, die als Kind adoptiert wurde und seitdem hier in Deutschland groß geworden ist. An ihrem Geburtstag erhält sie plötzlich die Nachricht von einem jungen Mann namens Kiran, der angibt, ihr Bruder zu sein. Es beginnt ein Gefühlsstudel, der zu wunderschönen Momenten, vielen Zweifeln und großen Emotionen führt.

Die Geschichte von Tara hat mich von Anfang an gefesselt. Auch wenn Tara und ihre Gefühlswelt anfangs auf den Leser etwas gehemmt wirken könnte, habe ich direkt mit ihr mitgefühlt. Tara ist mit ihrem Leben insgesamt recht zufrieden, sie hat eine tolle Familie, einen liebenden Freund und studiert motiviert Jura. Aber unter der Fassade bröckelt es: Die Beziehung ist bei Weitem nicht so glücklich, wie sie scheint, denn irgendwie haben sich Tara und ihr Freund auseinandergelebt. Während es ihm um Prestige und Geld geht, geht es Tara eher um Leidenschaft und Zusammenhalt. Hierdurch hat das Buch direkt mehrere Handlungsstänge: Taras Adoption und ihre Reise, ihre Wurzeln zu entdecken, Taras Verlieben in Nepal und in Ravi und Taras Erkenntnis, wie es um ihre Beziehung steht. Alles ist ein wenig miteinander verwoben, bedingt aber für mich leider auch etwas, warum die Gefühle für mich nicht immer rüber kamen.

Die Geschichte um Taras wahre Familie fand ich wirklich ergreifend. Die Autorin hat es geschafft, die ganz vielfältigen Gefühle gut einzufangen und zu transportieren. Die Aufregung, die Zweifel, die Ängste, ein kleinen bisschen Wut, die unendliche Liebe für ihre Adoptiveltern, aber auch die instinktive Liebe für ihre leibliche Mutter und ihren Bruder. Ich fand es wirklich interessant zu lesen und absolut mitreißend und stimmig. In so einer Situation gibt es kein Schwarz oder Weiß, sondern nur zig Graustufen. Und die sind hier für mich wundervoll eingefangen worden. Auch die Unterstützung ihrer Adoptivfamilie, die Offenheit und die Bereitschaft, Tara ziehen zu lassen, aber sie auch aufzufangen, wenn es schiefgeht, fand ich ergreifend und wirklich schön. Das Entdecken von Nepal, das Einführen in die Kultur und einfach das „Erleben“ durch Taras Augen, die hier mit ihrem Bruder, mit seinem besten Freund Ravi und ihrer leiblichen Mutter ihre Wurzeln entdecken darf, ist der Autorin auch toll gelungen. Nepal, Kathmandu, die Reisen, das Cafe – alles wirkt so lebhaft. Man möchte selbst durch die Gassen schlendern, Mango Lassi trinken und die surrende Energie miterleben.

Aber einen großen Teil an der Geschichte macht natürlich auch der Romance-Aspekt aus. Hier bin ich etwas zwiegespalten. Schon von Anfang an merkt man, dass die Dynamik zwischen Tara und Leon nicht mehr wirklich gut ist und beide sich auseinander gelebt haben. Dennoch ist Tara noch sehr lange im Buch mit Leon zusammen, während sie sich in Nepal bereits langsam in Ravi verliebt. Da das Buch keinen riesigen Zeitraum umfasst und Leon und Tara lange in einer Beziehung waren, waren mir die Entwicklungen etwas zu fix – vor allem auch, weil es Auswirkungen auf Taras Entscheidungen hat. Ravi ist toll, keine Frage. Die beiden viben von Anfang an. Aber ich hätte mir gewünscht, dass hier alle Handlungen sauber „getrennt“ werden. Das ist aber wahrscheinlich nur meine Meinung. Schön war die Geschichte dennoch.

Mein Fazit

Pieces of me ist eine wundervolle Geschichte, die sehr facettenreich und einfühlsam erzählt wurde. Taras Weg, das Erkunden ihrer Wurzeln und das Verlieben in ein Land und einen Mann hat mir gut gefallen, gleichzeitig war die Lovestory für mich etwas zu seicht geraten.

Bewertung: ★★★★

[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]