12.07.2026

Elsie Silver - Fever Dream

480 Seiten, erschienen als eBook und broschierte Ausgabe im LYX-Verlag am 19.05.2026
„Cowboys? Ich will nichts mit ihnen zu tun haben.“
(Julia in Fever Dream)

Worum geht’s?

Der professionelle Bullenreiter Emmett Bush ist ganz sicher nicht auf der Suche nach der großen Liebe, vielmehr braucht er dringend Geld, um die Familienranch vor dem Ruin zu retten. Aus diesem Grund erklärt er sich bereit, den Junggesellen auf der Suche nach der Frau seines Lebens in der Reality Show Romance Ranch zu spielen. Doch Julia Silva, Location-Beraterin am Set und kleine Schwester seines erbittertsten Rivalen, durchkreuzt seinen ausgeklügelten Plan. Sie ist die letzte Frau, für die er Gefühle entwickeln sollte, und doch kann er sich nicht von ihr fernhalten. Das Problem: Emmett muss sich in eine der Kandidatinnen der Show verlieben, sonst ist die Familienranch dem Untergang geweiht. Dabei hat er sein Herz längst verloren ...

Fever Dream ist Band 1 der Emerald Lake-Reihe. Die Geschichte ist in sich geschlossen.

Inhaltliche Hinweise

Das Buch wird durch Emmett und Julia in der Ich-Perspektive erzählt. Das Buch beinhaltet sexuellen Content und erwähnt unter anderem einen versuchten Übergriff.

Meine Meinung

Nachdem ich nun bereits einige Elsie Silver-Geschichten gelesen habe, die mir allesamt ganz gut gefallen haben, aber jetzt auch keine überschwänglichen Highlights waren, hat Fever Dream meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da das Thema Reality TV-Format etwas ist, was ich gerne in Büchern sehe. Nach bekannten Sendungen wie Der Bachelor und der steten Frage, wie viel bei diesen Sendungen echt ist, hatte ich gehofft, hier ein cooles Crossover aus Dating TV und Cowboy-Romance zu kriegen. Aber leider hat die Autorin mehr versprochen als gehalten.

Das Grundkonzept ist einfach: Emmett ist bekannter Bullenreiter, zufällig der Erzfeind von Julias Bruder Theo, und wird für eine Datingshow angefragt, die einfach in jeder Hinsicht an den Bachelor erinnert. Gedreht werden soll auf der Ranch von Emmetts Familie, ausgerechnet jene Ranch, die derart in finanzieller Schieflage steht, dass Emmett deswegen überhaupt an der Show teilnimmt. Julia ist als Location Managerin für das Vorbereiten des Sets und für das Auskundschaften von möglichen Filmspots an Bord, ihr erster großer Einsatz nach dem Studium. Als beide aufeinandertreffen, ist man zunächst von der Stimmung etwas irritiert, aber der Leser erfährt, dass beide vor einiger Zeit eine Situation miteinander hatten, die ihre Ansicht aufeinander sehr beeinflusst hat und vor allem bei Julia Emmetts Image vom Playboy stark ins Wanken gebracht hat. Gleichzeitig hatten beide danach nie wieder Kontakt und treffen nun am Set das erste Mal wieder aufeinander. Von Anfang an merkt man die Anziehung und diese fand ich auch wirklich glaubhaft.

Generell hat mir das Buch anfangs super gut gefallen, das Setting, Emmetts Familie, das Vorstellen der Dating Show, ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. Aber schon bald ließ die Begeisterung nach. Ein Großteil der Dreharbeiten findet offpage statt und wird durch eingestreute Produzentenmemos, welche eine gewisse Sozialkritik innehaben, oder durch Erzählungen eingebunden. Gleichzeitig fängt es irgendwann an, dass ich mich gefragt habe, was überhaupt noch Julias Aufgabe vor Ort ist, weil meistens ist sie einfach nur da, obwohl sie es nicht sein müsste. Die Darstellung der Show greift jedes Klischee auf, vom furchtbaren und skrupellosen Produzenten über die kratzbürstige Quotenkandidatin bis hin zu gefakten Szenen. Anfangs wird oft auch Emmetts Widerwille und seine Steifheit bei den Dreharbeiten erwähnt, was sich dann aber auch bald verläuft. Im gesamten Mittelteil hatte ich das Gefühl, dass einfach nichts passiert. Weder wird viel über die Show noch über Gefühle und eine mögliche Beziehungsentwicklung zwischen Emmett und Julia gesprochen, es gibt ein paar angekratzte Familienthematiken und jede Menge Spice. Ab einem gewissen Punkt hatte ich den Eindruck, dass Emmett und Julia nur noch am Rummachen sind und der komplette Rest der Handlung einfach vergessen wurde. Hier spielt vermutlich auch mit rein, dass die widersprüchlichen Gefühle der beiden und das Hin und Her irgendwann anstrengend wurden, denn anfangs habe ich noch verstanden, dass beide einander nicht direkt um den Hals fallen, aber im Verlauf merkt man mehr und mehr, dass beide sich mögen, dann aber – grundlos – wieder wegstoßen, vor allem Julia ruft immer wieder die Vorstellung ab, dass Emmett ja so ein Badboy sei. Entsprechend sank meine Begeisterung, was ich schade fand, da ich Emmett und Julia eigentlich mochte, mir das alles aber dann zu flach war. Auch das, was Julia passiert ist, wird eher nur noch am Rande erwähnt, was ich wahnsinnig schade fand.

Im letzten Drittel startet das Buch dann so richtig durch und hier werden sich bestimmt die Geister scheiden. Es passiert wahnsinnig viel in sehr kurzer Zeit, es gibt ein bisschen Family Drama, jede Menge Set-Drama, Lügen, Intrigen und Stress. Für mich wurde es irgendwann eher ein Fiebertraum, wie sich alles entwickelt hat, und ich kann mir vorstellen, dass die Autorin hieran viel Spaß hatte, aber für mich war es nicht greifbar, wenig glaubhaft und vor allem tendenziell übertrieben, auch wenn einige Elemente sicher lustig sein sollten, für mich aber eher cringer Natur waren. Ob man mit dem Ende der Show und der Konfliktlösung zufrieden ist, muss dann doch jeder selbst herausfinden. Ich war es leider nicht so. Ich kann aber gleichzeitig den kritischen Aspekt, der dieser Lösungsvariante zugrundeliegt, zumindest nachvollziehen. Am Ende denke ich, dass hier viel mehr aus jedem Aspekt hätte herausgeholt werden können

Mein Fazit

Fever Dream hatte so viel Potenzial, aber der Großteil wurde in meinen Augen nicht genutzt. Die Show kommt wenig vor und spielt eher für das Enddrama eine Rolle, Bullenreiten und das Cowboy-Dasein sind eher Randnotizen und zeitweise verliert sich das Buch eher in Intimität als Tiefe. Dafür können die Charaktere aber überzeugen und ich habe mich zumindest gut unterhalten gefühlt, auch wenn das Buch einige Längen im Mittelteil hat.

Bewertung: ★★★☆☆

[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]