18.06.2020

Karen M. McManus - One of us is next

448 Seiten, erschienen als eBook und Hardcover-Ausgabe im cbj-Verlag am 11.05.2020
 „Kleiner Tipp für die nächste Spielrunde: Entscheidet euch immer für Pflicht.“
(Anonym in One of us is next)

Worum geht’s?

18 Monate ist es her, dass Simones Tod die Bayview High auf den Kopf gestellt hat. Noch immer haben einige Schüler mit den Folgen zu leben und auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind spürbar. Mehrere Versuche, ähnliche Seiten wie Simons Blog zu etablieren, sind gescheitert. Bis eines Tages anonyme Nachrichten auftauchen und die Schüler zu einem Wahrheit-oder-Pflicht-Spiel zwingen. Ein dunkles Geheimnis oder doch lieber Pflicht? Die Spieler entscheiden. Zwischen Aufruhr und Sensationslust schwanken die Schüler, was sie machen sollen. Bis das perfide Spiel plötzlich ein Opfer fordert, mit dem niemand gerechnet hat…

One of us is next ist eine lose Fortsetzung zu „One of us is lying“. Es kommen Charaktere und Thematiken aus dem Buch vor, es empfiehlt sich daher, das Buch vorher gelesen zu haben.


Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist in Anlehnung an „One of us is lying“ dieses Mal mit drei Gesichtern gestaltet. Vermeintlich handelt es sich dabei um die drei Erzähler des Buches – Phoebe, Maeve und Knox. Die Aufmachung wirkt interessant und geheimnisvoll. Das Buch wird chronologisch erzählt, zu Beginn jedes Kapitels steht der Tag und der jeweilige Erzähler. Das Buch wird in der Ich-Perspektive erzählt. Der Schreibstil ist gut lesbar, leicht und unkompliziert. Das Buch ist sprachlich für Jugendliche geeignet.

Mein Fazit

„One of us is lying“ war für mich ein kleiner Überraschungshit. Spannend, mitreißend und ein Pageturner im Bereich der Jugendbücher, mit einer soliden, überraschenden Auflösung und Mitrate-Begeisterung. Nachdem ich aber bereits „Two can keep a secret“ gelesen und nicht wirklich toll gefunden habe, war meine Erwartung an dieses Buch entsprechend etwas zwiegespalten. Und ich muss sagen: Leider zu recht.

Ein wenig Ruhe ist an der Bayview High eingekehrt. Die Protagonisten aus „One of us is lying“ gehen ihre Wege, aber der Schatten liegt weiterhin über der Stadt. Gerüchte, Geheimnisse, Verrat – der Stoff, aus dem Highschool-Geschichten gemacht sind. Maeve, ihr bester Freund Knox und Phoebe manövrieren sich irgendwie durch den Alltag an der Highschool. Phoebe geht ihrer Affäre nach und streitet sich mit ihrer Schwester Emma. Maeve muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob ihre Leukämie zurück ist. Knox arbeitet bei dem Until Proven Projekt für Anwalt Eli. Doch das beschauliche Leben gerät aus den Fugen, als eine Nachricht kommt, die die Schüler auffordert, an einem Wahrheit oder Pflicht Spiel teilzunehmen. 24 Stunden hat die ausgewählte Person Zeit, zu wählen. Wer nicht wählt, dessen Geheimnis wird enthüllt. Zwiegespalten zwischen Sensationsgier und Angst warten alle an der Highschool auf die nächste Nachricht. Als die ersten Geheimnisse enthüllt werden, ist schnell klar, dass es hier um keine billige Nachmache von Simon geht. Nein, Anonym weiß Sachen, die Sprengkraft haben. Deswegen gilt: Wähle immer Pflicht. Doch plötzlich gerät alles aus den Fugen, als ein Schüler stirbt und ein geheimes Forum auftaucht. Wer möchte hier das Erbe von Simon antreten?

Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich kann es nur immer wieder sagen und ärgere mich gerade über mich selbst, dass ich wollte, dass es weitergeht. One of us is lying war super, hat mich überrascht und wirklich begeistert. Daher war die Freude auf One of us is next doch hoch. Aber irgendwie war dieses Buch doch eine Enttäuschung. Es fängt damit an, dass man die erste Hälfte das Gefühl hat, einen seichten Highschool-Roman mit etwas Spannung durch das Spiel zu haben. Es geht um typische Probleme von Schülern, um Sorgen und Ängste, ihre außerschulischen Aktivitäten. Es plätschert so vor sich hin. Als dann (sogar rech früh im Buch) die erste Nachricht zum Spiel kommt, hatte ich große Hoffnung, dass es jetzt losgeht. Aber das tut es nicht. Die Nachricht kommt, die erste Enthüllung kommt, der nächste Spieler wird kontaktiert. Es vergehen Seiten um Seiten und irgendwie nimmt es nicht an Fahrt auf. Immer wieder wird an Simon erinnert, an die bösen Folgen von Gerüchte, aber dann wirkt es wieder über längere Zeit so, als sei das Spiel vergessen. Nebenbei werden zahlreiche Nebenstorys eingebunden, wie zwar für das Ende durchaus eine Rolle spielen, aber die Geschichte auch recht zäh wirken lassen. Generell ist der Spannungsbogen über sehr weite Teile für mich sehr niedrig gewesen. Die Nachforschungen wirken dieses Mal sehr willkürlich (und in meinen Augen ehrlich gesagt auch etwas übertrieben), es gibt einfach zu viele Punkte, die übermäßig gewollt wirken. Das ja eigentlich im Mittelpunkt stehende Wahrheit oder Pflicht Spiel verkommt leider auch als absolutes Nebenbei-Thema. Dies ergibt am Ende zwar durchaus Sinn, weil das Spiel eigentlich nur einem bestimmten Zweck diente, ärgert mich aber als Leser auch irgendwie.

Als es auf das Finale zugeht, konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Ja, hier kommt Spannung auf, es wird hektisch. Aber: Es ist eine Verkettung von Zufällen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort-Momenten, eine wahnsinnig übertriebene Idee des Höhepunkts und eine damit einhergehende, etwas komisch anmutende Auflösung. Es ist einfach zu gewollt, für mich zu unstimmig und zu sehr darauf bedacht, ein möglichst großes „OHO“ zu erzeugen, was es bei mir aber nicht geschafft hat. Es war eher ein „Echt jetzt?“. Die mit auf Auflösung einhergehenden Twists waren solide, der eine war für mich recht früh vorhersehbar, der andere hingegen nicht – wirkte dafür aber auch ein wenig lächerlich und wird auch durch das rasche Ende des Buches nicht erklärt. Generell fehlt mir nach hinten hinaus etwas zu wenig die Aufklärung. Wie bei Two can keep a secret bleiben zu viele Fragen noch offen, die Erklärung ist halbgar, leicht übertrieben und irgendwie für ein Jugendbuch, wo es eigentlich um Highschool-Spielchen geht, unpassend.

Ein weiteres Problem, was ich mit diesem Buch hatte: Die unglaubliche Vielzahl an Namen. Ich habe zwar One of us is lying gelesen, dennoch konnte ich mich kaum noch daran erinnern. Die Protagonisten kommen zum Teil wieder vor, es wird erzählt, wie es mit ihnen weiterging. Hierzu kommen die Protagonisten aus One of us is next, zahlreiche Schüler, einige Familienmitglieder, Leute von Arbeitsstätten, Leute aus dem Ort. Das Problem? Alle sind ultimativ austauschbar. Selbst die Protagonisten waren so eindimensional, dass ich oft zum Anfang des Kapitels zurückblättern musste, um zu sehen, wer eigentlich gerade redet. Mehr als einmal habe ich etwa Maeve und Phoebe verwechselt. Es sind zu viele Leute und bei vielen frage ich mich jetzt nach dem Buch, ob man sie überhaupt gebraucht hätte.

Die Autorin konnte mich leider das zweite Mal in Folge nicht überzeugen. Klingt gut ist nicht immer auch tatsächlich gut und manche Geschichten muss man vielleicht auch nicht weitererzählen. Zwar lässt sich das Buch für seine über 400 Seiten wieder recht schnell lesen, inhaltlich ist es aber zäh, fast schon langweilig und das große Finale dafür zu überzogen und gewollt. Die Charaktere des Buches sind platt und können mich nicht fesseln. Ich entscheide mich daher für Wahrheit: Dieses Buch kann man lesen, muss man aber nicht. Für mich bleibt die Autorin ein One-Hit-Wonder. Leider.

Bewertung: ★★☆☆☆

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]